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Zuse Z22 im ZKM
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Ralf Kiefer
2017-11-26 02:07:46 UTC
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N'Abend!

Ich hatte irgendwo mal angemerkt, daß ich bei nächster Gelegenheit im
ZKM nach der Z22 schaue. Diese Gelegenheit war heute.

Zustand: die steht in der Ecke, die drei Schränke mit den Glasfronten
sind innen beleuchtet, damit man das Innenleben sehen kann, die Vorhänge
zum Hauptgang sind zugezogen, es gibt keine Schautafeln mehr an den
Wänden. Ein trauriger Anblick.

Als "Interaktivität" läuft als Filmchen auf einem PC daneben ein
Interview aus dem Jahr 2008 mit den beiden maßgeblichen Herren Baumann
und Kammerer. Die beschrieben dabei, daß der originale Trommelspeicher
aus dem Jahr 1958 mittlerweile kaputt sei und alle Reservespuren
verbraucht seien. Sie hatten einen etwas neueren Trommelspeicher aus dem
Jahr 1960 organisiert, der sich allerdings beim Versuch der
Inbetriebnahme ebenfalls als endgültig defekt herausstellte. Sie
schilderten, daß es dadurch nur noch möglich sei einzelne Befehle zu
zeigen, aber keine ganzen Programme.

Das war im Jahr 2008. Mir kam irgendwann zu Ohren, daß einer von den
beiden inzwischen gestorben sei und der andere nicht mehr beim Projekt
dabei ist. Ebenso hörte ich vor einigen Jahren, daß das ZKM jemanden
suchen würde, der sich mit dieser Technik auskenne. Offensichtlich war
das ZKM dabei noch nicht erfolgreich.

Bei Duschlauch findet sich aus dem Jahr 2009 dieses Filmchen:

Bei 1:55 ist der neuere Trommelspeicher (1960) zu sehen.

Aus dem Jahr 2010:

Bei 1:47 ist der ältere(!) Trommelspeicher zu sehen.

Wenn die Trommelspeicher definitiv kaputt sind, frage ich mich, weswegen
es nicht möglich sein soll diese durch moderne Hardware zu ersetzen,
damit der ganze Rechner funktionieren kann, so wie unsereins z.B. statt
SCSI-Festplatten CF-Card-SCSI-Adapter einbaut. Die Schnittstelle zum
Trommelspeicher sollte doch ausreichend dokumentiert sein.

Diskrepanz: im vor Ort vorgeführten Film aus dem Jahr 2008 wird die Z22
als wg. Trommelspeicher defekt bezeichnet, in den Filmchen aus den
Jahren 2009 und 2010 als funktionierend.

BTW diese Z22 steht unter Denkmalschutz.

Gruß, Ralf
fritzchwolka
2017-11-26 10:15:44 UTC
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Post by Ralf Kiefer
BTW diese Z22 steht unter Denkmalschutz.
Schade,

d.h. besser nicht anfassen und verrotten lassen sonst wird es teuer wegen der ...aktivisten :-(
Christian Corti
2017-11-27 08:53:49 UTC
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Post by fritzchwolka
Post by Ralf Kiefer
BTW diese Z22 steht unter Denkmalschutz.
Schade,
d.h. besser nicht anfassen und verrotten lassen sonst wird es teuer wegen der ...aktivisten :-(
Das glaube ich nicht, die Z22 ist ein Technikdenkmal, kein Gebäudedenkmal.
Mit diesem Argument dürfte man auch keine alte Lok mehr instandsetzen.
Und Original ist sie auch schon lange nicht mehr. Die Scheiben in den Türen
sind nicht original, und wer sich die Maschine mal angeschaut hat, wird
bemerkt haben, daß irgendwo an der Seite in einem der Schränke eine
Europaplatine mit TTL-Kram drauf ist.

Christian
Andreas Kohlbach
2017-11-27 21:38:16 UTC
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Post by Christian Corti
Post by fritzchwolka
Post by Ralf Kiefer
BTW diese Z22 steht unter Denkmalschutz.
Schade,
d.h. besser nicht anfassen und verrotten lassen sonst wird es teuer wegen der ...aktivisten :-(
Das glaube ich nicht, die Z22 ist ein Technikdenkmal, kein Gebäudedenkmal.
Mit diesem Argument dürfte man auch keine alte Lok mehr instandsetzen.
IMO zumindest nicht Dinge wie den Dampfantrieb durch einen Elektromotor
zu ersetzen.
--
Andreas
You know you are a redneck if
exxon and conoco have offered you royalties for your hair.
Markus Elsken
2017-11-27 22:23:50 UTC
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Moin!
Post by Andreas Kohlbach
IMO zumindest nicht Dinge wie den Dampfantrieb durch einen Elektromotor
zu ersetzen.
Denkt denn keiner ans Klima?

mfg Markus
Thomas Lorenz
2017-11-28 08:45:29 UTC
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Post by Markus Elsken
Moin!
Post by Andreas Kohlbach
IMO zumindest nicht Dinge wie den Dampfantrieb durch einen Elektromotor
zu ersetzen.
Denkt denn keiner ans Klima?
mfg Markus
Ein E-Motor, der ständig, besonders nachts nachlädt, um zu laufen und
Strom zu sparen, wenn die Sonne scheint, schadet der Umwelt wesentlich
mehr, als ein Verbrennungsmotor, der in geringem Umfang läuft.

Das gilt eben auch für Alltagsfahrzeuge. ;)


MfG
Thomas
Thomas Lorenz
2017-11-28 08:43:12 UTC
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Post by Andreas Kohlbach
Post by Christian Corti
Post by fritzchwolka
Post by Ralf Kiefer
BTW diese Z22 steht unter Denkmalschutz.
Schade,
d.h. besser nicht anfassen und verrotten lassen sonst wird es teuer wegen der ...aktivisten :-(
Das glaube ich nicht, die Z22 ist ein Technikdenkmal, kein Gebäudedenkmal.
Mit diesem Argument dürfte man auch keine alte Lok mehr instandsetzen.
IMO zumindest nicht Dinge wie den Dampfantrieb durch einen Elektromotor
zu ersetzen.
In Denkmallisten steht schon mit drin, ob es nur um Design, also Äußeres
und/oder auch um den Erhaltenswert der Technik selbst.

Bei einer Eisenbahn sollte aber auch nahezu jedes der Metallteile
ersetzbar sein.

Im Übrigen wird für die Erhaltung von Denkmalen viel zu wenig
[staatliches] Geld zur Verfügung gestellt. Hier in der Gegend wurde ein
Stellwerk abgerissen, weil die Bahnstrecke komplett (!) neu gebaut wird.
Da werden Milliarden vergraben. Ich hoffe nur, daß das Haus wenigstens
umfassend(!) dokumentiert, d.h. fotografieert, wurde, bevor der Bagger kam.

MfG
Thomas
Wolf gang P u f f e
2017-12-01 10:29:57 UTC
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Raw Message
Post by Thomas Lorenz
In Denkmallisten steht schon mit drin, ob es nur um Design, also Äußeres
und/oder auch um den Erhaltenswert der Technik selbst.
Bei einer Eisenbahn sollte aber auch nahezu jedes der Metallteile
ersetzbar sein.
Im Übrigen wird für die Erhaltung von Denkmalen viel zu wenig
[staatliches] Geld zur Verfügung gestellt. Hier in der Gegend wurde ein
Stellwerk abgerissen, weil die Bahnstrecke komplett (!) neu gebaut wird.
Da werden Milliarden vergraben. Ich hoffe nur, daß das Haus wenigstens
umfassend(!) dokumentiert, d.h. fotografieert, wurde, bevor der Bagger kam.
In Dänemark wird ein Stellwerk schnell mal verschifft und umgesetzt
wenn es als Denkmal gilt:


W.

Christian Corti
2017-11-26 10:15:07 UTC
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Post by Ralf Kiefer
dabei ist. Ebenso hörte ich vor einigen Jahren, daß das ZKM jemanden
suchen würde, der sich mit dieser Technik auskenne. Offensichtlich war
das ZKM dabei noch nicht erfolgreich.
Das ZKM hat sicherlich nicht gesucht oder überlegt, wenn sie fragen
könnten, denn sie sollten wissen, wer in Deutschland sich mit
röhrenbestückten Magnettrommelrechnern gut auskennt ;-) (*hint*)

Christian
Marcel Mueller
2017-11-26 20:29:31 UTC
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Raw Message
Post by Ralf Kiefer
Wenn die Trommelspeicher definitiv kaputt sind, frage ich mich, weswegen
es nicht möglich sein soll diese durch moderne Hardware zu ersetzen,
Das ist nicht zulässig. Das wäre genauso als würdest Du die Holzbalken
eines denkmalgeschützen Fachwerkhauses durch Doppel-T Stahl-Träger ersetzen.
Man muss also schon etwas "adäquates" einbauen.
Post by Ralf Kiefer
damit der ganze Rechner funktionieren kann, so wie unsereins z.B. statt
SCSI-Festplatten CF-Card-SCSI-Adapter einbaut. Die Schnittstelle zum
Trommelspeicher sollte doch ausreichend dokumentiert sein.
Auch wenn ich sie jetzt nicht kenne: so wie SCSI/CF tickt die nicht
einmal ansatzweise. Schlicht mangels eines Intelligenten Controllers.
Ich würde eher ein Floppy-artiges Interface erwarten.

Auch würde nicht zu große Hoffnungen in die Dokumentation setzen. Die
war damals genauso unvollständig, wie sie bei aktuellen Technologien
ist. Die Interfaces mögen hier und da Dokumentiert sein, aber zum
Gesamtverständnis braucht man im allgemeinen Kontextwissen aus der
jeweiligen Zeit, um die Dokumente überhaupt verstehen zu können. Und zum
Reparieren braucht man eben auch noch Internas der Implementierung.


Marcel
Ralf Kiefer
2017-11-26 21:42:16 UTC
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Raw Message
Post by Marcel Mueller
Post by Ralf Kiefer
Wenn die Trommelspeicher definitiv kaputt sind, frage ich mich, weswegen
es nicht möglich sein soll diese durch moderne Hardware zu ersetzen,
Das ist nicht zulässig. Das wäre genauso als würdest Du die Holzbalken
eines denkmalgeschützen Fachwerkhauses durch Doppel-T Stahl-Träger ersetzen.
Man muss also schon etwas "adäquates" einbauen.
Wenn's Fachwerkhaus ohne den Stahlträger einstürzt? Aber hier hinkt der
Vergleich, denn den Werkstoff Holz gibt es noch, womit man auch ein
500Jahre altes Fachwerkhaus stilecht restaurieren kann. Die Trommeln für
die Z22 dürften dagegen nicht so einfach zu restaurieren sein.
Post by Marcel Mueller
Post by Ralf Kiefer
damit der ganze Rechner funktionieren kann, so wie unsereins z.B. statt
SCSI-Festplatten CF-Card-SCSI-Adapter einbaut. Die Schnittstelle zum
Trommelspeicher sollte doch ausreichend dokumentiert sein.
Auch wenn ich sie jetzt nicht kenne: so wie SCSI/CF tickt die nicht
einmal ansatzweise.
So ist das nicht gemeint.

Wenn ich irgendeinen alten Rechner habe, der z.B. auf SCSI-Laufwerke
angewiesen ist, ich aber keine mehr habe, weil die irgendwann zur Neige
gehen werden, dann baue ich einen Adapter zu irgendwas modernerem ein,
damit der ganze Rechner funktioniert.

Wenn die Z22 im ZKM ein kleines Kästchen mit moderner Hardware bekäme,
die einen geeigneten Trommelspeicher ersetzt, dann würde ich den
einbauen, um die Z22 als funktionierende Maschine präsentieren zu
können. Am Kästchen der modernen Hardware würde ich einen Zettel mit
einer Erklärung dranhängen und daneben die kaputten Trommeln ausstellen.
Ganz einfach :-) Von solch einer Lösung hat der interessierte Besucher
am meisten.
Post by Marcel Mueller
Auch würde nicht zu große Hoffnungen in die Dokumentation setzen. Die
war damals genauso unvollständig, wie sie bei aktuellen Technologien
ist.
Da wäre ich mir nicht so sicher. Baumann und Kammerer hatten nicht alles
im Kopf, die brauchten auch(!) Papier und Doku.
Post by Marcel Mueller
Die Interfaces mögen hier und da Dokumentiert sein, aber zum
Gesamtverständnis braucht man im allgemeinen Kontextwissen aus der
jeweiligen Zeit, um die Dokumente überhaupt verstehen zu können. Und zum
Reparieren braucht man eben auch noch Internas der Implementierung.
Im gezeigten Film im ZKM meinte einer der beiden, daß zur Bewahrung
ihres Wissens um die Z22 jemand benötigt würde, der neben dem Bereich
der E-Technik - er meinte damit wohl das Wissen und die Erfahrung um
Röhrentechnik - Wissen um Mathematik und Informatik benötigt würde. Das
hatte er im Jahr 2008, und vermutlich nicht nur einmal, betont.

In einem anderen Zusammenhang vor ein paar Jahren bekam ich beim ZKM den
Eindruck, daß denen der historisch-museale Bereich nicht besonders
wichtig ist. Und genau so sieht die Z22-Ecke aktuell aus.

Gruß, Ralf
Marcel Mueller
2017-11-26 22:27:49 UTC
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Raw Message
Post by Ralf Kiefer
Post by Marcel Mueller
Das ist nicht zulässig. Das wäre genauso als würdest Du die Holzbalken
eines denkmalgeschützen Fachwerkhauses durch Doppel-T Stahl-Träger ersetzen.
Man muss also schon etwas "adäquates" einbauen.
Wenn's Fachwerkhaus ohne den Stahlträger einstürzt?
Dann freut sich der Investor, dass er es abreißen darf. ;-)
Post by Ralf Kiefer
Aber hier hinkt der
Vergleich, denn den Werkstoff Holz gibt es noch, womit man auch ein
500Jahre altes Fachwerkhaus stilecht restaurieren kann.
Preiswert im heutigen Sinne ist die Operation allerdings nicht - wobei
bei Fachwerkhäusern die Balken meist noch mit das langlebigste sind.
Post by Ralf Kiefer
Die Trommeln für
die Z22 dürften dagegen nicht so einfach zu restaurieren sein.
Realistisch betrachtet sind sie korrodiert. Und die Beschichtung mal
eben neu aufzubringen, ist vermutlich nicht eben trivial. Kann aber auch
sein, dass die Köpfe vergammelt sind; und davon gibt es viele.
Post by Ralf Kiefer
Wenn ich irgendeinen alten Rechner habe, der z.B. auf SCSI-Laufwerke
angewiesen ist, ich aber keine mehr habe, weil die irgendwann zur Neige
gehen werden, dann baue ich einen Adapter zu irgendwas modernerem ein,
damit der ganze Rechner funktioniert.
OK, in Grenzen geht das.
Post by Ralf Kiefer
Wenn die Z22 im ZKM ein kleines Kästchen mit moderner Hardware bekäme,
die einen geeigneten Trommelspeicher ersetzt, dann würde ich den
einbauen, um die Z22 als funktionierende Maschine präsentieren zu
können.
Also einen Z22-Emulator kannst Du einfacher haben. Den gibt es online.

Der Trommelspeicher bei der Z22 ist schon ein ziemliches Herzstück.
Liefert er doch den Primärtakt für die ganze Kiste.
Post by Ralf Kiefer
Am Kästchen der modernen Hardware würde ich einen Zettel mit
einer Erklärung dranhängen und daneben die kaputten Trommeln ausstellen.
Ganz einfach :-) Von solch einer Lösung hat der interessierte Besucher
am meisten.
Der interessierte Besucher sieht und hört in den meisten Fällen nur dass
dass die Lüfter lärmen, die Trafos Brummen, die Röhren glühen und von
mir aus noch die Lampen blinken.
Post by Ralf Kiefer
Post by Marcel Mueller
Auch würde nicht zu große Hoffnungen in die Dokumentation setzen. Die
war damals genauso unvollständig, wie sie bei aktuellen Technologien
ist.
Da wäre ich mir nicht so sicher. Baumann und Kammerer hatten nicht alles
im Kopf, die brauchten auch(!) Papier und Doku.
Richtig, für das was sie /nicht/ im Kopf hatten.
Post by Ralf Kiefer
Post by Marcel Mueller
Die Interfaces mögen hier und da Dokumentiert sein, aber zum
Gesamtverständnis braucht man im allgemeinen Kontextwissen aus der
jeweiligen Zeit, um die Dokumente überhaupt verstehen zu können. Und zum
Reparieren braucht man eben auch noch Internas der Implementierung.
Im gezeigten Film im ZKM meinte einer der beiden, daß zur Bewahrung
ihres Wissens um die Z22 jemand benötigt würde, der neben dem Bereich
der E-Technik - er meinte damit wohl das Wissen und die Erfahrung um
Röhrentechnik - Wissen um Mathematik und Informatik benötigt würde. Das
hatte er im Jahr 2008, und vermutlich nicht nur einmal, betont.
Klar, Algol-Programmierer sind mittlerweile eher selten. ;-)
Post by Ralf Kiefer
In einem anderen Zusammenhang vor ein paar Jahren bekam ich beim ZKM den
Eindruck, daß denen der historisch-museale Bereich nicht besonders
wichtig ist. Und genau so sieht die Z22-Ecke aktuell aus.
Das ist immer so in Museen. Die werden mit der Zeit von alleine
schlechter, wenn man nicht ständig hinterher ist.


Marcel
Markus Elsken
2017-11-27 13:59:41 UTC
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Moin!
wobei bei Fachwerkhäusern die Balken meist noch mit das langlebigste sind
Wenn nicht von passenden "Fachleuten" saniert wird, also z.B. Silikon
(!) in die Fugen zwischen Balken und Mauerwerk gespritzt und das Holz
"passend" angestrichen wird.


mfg Markus
Andreas Kohlbach
2017-11-26 22:03:52 UTC
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Post by Marcel Mueller
Post by Ralf Kiefer
Wenn die Trommelspeicher definitiv kaputt sind, frage ich mich, weswegen
es nicht möglich sein soll diese durch moderne Hardware zu ersetzen,
Das ist nicht zulässig. Das wäre genauso als würdest Du die Holzbalken
eines denkmalgeschützen Fachwerkhauses durch Doppel-T Stahl-Träger ersetzen.
Man muss also schon etwas "adäquates" einbauen.
So dachte ich es auch, hätte es aber nicht in so schöne Worte fassen
können. :-)

Also IMO lieber den Rechner tot sein lassen, statt Kaputtes durch moderne
Hardware zu ersetzen. Irgendwann, wenn eh alles mal ersetzt werden musste,
ist nichts Originales mehr da.

"Hier der Zuse Z22: Solid state Flash RAM, die Röhren haben wir durch
einen Intel I7 CPU ersetzt, den Lochstreifenleser durch 1TB SD/MMC...".
--
Andreas
You know you are a redneck if
you have to go down to the creek to take a bath.
Hermann Riemann
2017-11-27 09:00:45 UTC
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Raw Message
Post by Andreas Kohlbach
Also IMO lieber den Rechner tot sein lassen, statt Kaputtes durch moderne
Hardware zu ersetzen. Irgendwann, wenn eh alles mal ersetzt werden musste,
ist nichts Originales mehr da.
Ich sehe da ( nparallel mögliche ) Varianten:

- "einbalsamieren" um den materiellen Zerfall zu verlangsamen
- "retro" Nachbauen mit Materialien,
die dem Original möglichts ähnlich sind,
- funktioneller hardware Nachbau ( mit schönen LEDs Anzeigen )
- Emulation.

Hermann
der sich daran gewöhnt hat, das viele alte hard- und software
irgendwann nicht mehr funktioniert.
( Und vermutet,
das die NAND-Funktion als Idee noch lange funktioniert.)
--
http://www.hermann-riemann.de
Klemens Krause
2017-11-27 08:21:39 UTC
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Post by Marcel Mueller
Post by Ralf Kiefer
Wenn die Trommelspeicher definitiv kaputt sind, frage ich mich, weswegen
es nicht möglich sein soll diese durch moderne Hardware zu ersetzen,
Das ist nicht zulässig. Das wäre genauso als würdest Du die Holzbalken
eines denkmalgeschützen Fachwerkhauses durch Doppel-T Stahl-Träger ersetzen.
Man muss also schon etwas "adäquates" einbauen.
Es gibt durchaus Gebäude, bei denen das alte Dachgebälk durch moderne
Hilfskonstruktionen gestützt wird. Das erlaubt der Denkmalschutz, bevor
das Gebäude abgerissen werden muss. Gefordert wird lediglich, das die
neue Konstruktion als "neu" erkennbar sein muss.

Die Trommel der Z22 ist mit 16 Sub-D-37 Steckern und mit einem alter-
tümlichen Drehstromstecker mit der Maschine verbunden. D. h. so ein
Emulat wäre ohne Lötarbeiten an der Maschine selbst einzusetzen, und
falls irgendwo mal eine Trommel auftaucht, jederzeit in einer Stunde
rückgängig zu machen.

Klemens
B.Eckstein
2017-11-27 08:35:43 UTC
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Raw Message
Post by Marcel Mueller
Post by Ralf Kiefer
Wenn die Trommelspeicher definitiv kaputt sind, frage ich mich, weswegen
es nicht möglich sein soll diese durch moderne Hardware zu ersetzen,
Das ist nicht zulässig. Das wäre genauso als würdest Du die Holzbalken
eines denkmalgeschützen Fachwerkhauses durch Doppel-T Stahl-Träger ersetzen.
Man muss also schon etwas "adäquates" einbauen.
Nur wenn's geht. Um alte Dome (z.B. Aachener Dom) wird durchaus mal ein
"modernes" Stahlband mit Stahlankern drum gelegt, damit das Gebäude
nicht auseinanderfällt.

Auch der Kölner Dom hat eine Eisenkontruktion für's Dach, die zu
Baubeginn völlig unmöglich war.

Oder denkmalgeschützte Häuser können trotzdem neue Fenster mit
Isolierverglasung bekommen.
Markus Elsken
2017-11-26 21:01:05 UTC
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Moin!
Post by Ralf Kiefer
Wenn die Trommelspeicher definitiv kaputt sind, frage ich mich, weswegen
es nicht möglich sein soll diese durch moderne Hardware zu ersetzen,
Ist das denn überhaupt notwendig? Ich habe von diversen Berichten über
alte Platten- und Trommelspeicher noch im Hinterkopf, dass da die
magnetische Beschichtung regelmässig als abgenutzt entfernt
(abgewaschen) und neu aufgebracht wurde. Ist das heute nicht mehr möglich?

mfg Markus
Klemens Krause
2017-11-27 08:07:48 UTC
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Raw Message
Post by Ralf Kiefer
N'Abend!
...
Post by Ralf Kiefer
Zustand: die steht in der Ecke, die drei Schränke mit den Glasfronten
sind innen beleuchtet, damit man das Innenleben sehen kann, die Vorhänge
zum Hauptgang sind zugezogen, es gibt keine Schautafeln mehr an den
Wänden. Ein trauriger Anblick.
sage ich ja schon lange.

....
Post by Ralf Kiefer
Inbetriebnahme ebenfalls als endgültig defekt herausstellte. Sie
schilderten, daß es dadurch nur noch möglich sei einzelne Befehle zu
zeigen, aber keine ganzen Programme.
Da fehlt den Leuten ein bisschen Phantasie. Um es kurz anzumerken:
Wir betreiben bei uns im Computermuseum seit 2000 einen röhrenbestückten
Magnettrommelrechner mit etwa gleichem Alter. (LGP-30).
Bei uns ist die Trommel noch in Ordnung, wir haben wohl auch noch
Reservespuren. Wenn jetzt im Laufe der Zeit mehr defekte Spuren auftreten
würden als Reservespuren vorhanden sind, dann würde ich entweder einzelne
Spuren ummappen, oder aber spezielle Demoprogramme schreiben, die die
defekten Spuren nicht benutzen. Ein "hello world" Programm würde ich
auch noch hinbringen, wenn von 64 Spuren nur noch drei verwendbar sind,
solange Taktspuren und Registerspuren noch in Ordnung sind.

...
Post by Ralf Kiefer
Wenn die Trommelspeicher definitiv kaputt sind, frage ich mich, weswegen
es nicht möglich sein soll diese durch moderne Hardware zu ersetzen,
Als letzte Möglichkeit würde ich das auch in Betracht ziehen, wenn bei
unserem LGP-30 mal die Trommel den Geist aufgeben würde.
Ich sehe aber auch immer noch die Möglichkeit, so eine Trommel neu zu
beschichten. Da müsste man halt Sponsoren finden und einen Airbrush-Künstler
der mal nicht Engelchen auf Motorradtanks sprüht...
Die Magnettrommeln sind 1958 ja auch nicht auf dem Trommel-Feld gewachsen,
sondern wurden von Mechanikern und Handwerkern produziert.


Ansonsten Danke für Deinen Bericht!

Klemens
Hanno Foest
2017-11-27 11:45:44 UTC
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Post by Klemens Krause
Post by Ralf Kiefer
Wenn die Trommelspeicher definitiv kaputt sind, frage ich mich, weswegen
es nicht möglich sein soll diese durch moderne Hardware zu ersetzen,
Als letzte Möglichkeit würde ich das auch in Betracht ziehen, wenn bei
unserem LGP-30 mal die Trommel den Geist aufgeben würde.
Ich sehe aber auch immer noch die Möglichkeit, so eine Trommel neu zu
beschichten. Da müsste man halt Sponsoren finden und einen
Airbrush-Künstler
der mal nicht Engelchen auf Motorradtanks sprüht...
Die Magnettrommeln sind 1958 ja auch nicht auf dem Trommel-Feld gewachsen,
sondern wurden von Mechanikern und Handwerkern produziert.
Genau das dachte ich mir. Ich erinnere mich an einen c't Artikel über
die Geschichte der deutschen Institutsrechner, die ja anfänglich
Einzelstücke und Eigenbauten waren, wo IIRC von Trommeln die Rede war,
die mit selbstangerührter Ferritemulsion und Sprühpistole beschichtet
wurden.

Hanno
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