Discussion:
Artikel zum Gezeitenrechner der DDR
(zu alt für eine Antwort)
Ralf Kiefer
2017-07-15 13:36:53 UTC
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Raw Message
Hallo!

Mir sind nicht viele Beispiele für Analogrechner bekannt, bei denen man
erstens die Funktionsweise ahnen kann, zweitens die Aufgabe und das
Ergebnis so einfach versteht. Die Gezeitenrechner aus Kaiserreich, dem
3. Reich und der DDR sind solche. Der Tagesspiegel hat einen kleinen
Artikel über das 8t-schwere DDR-Gerät:

<http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/ingenieurkunst-wie-die-ddr-mit-e
inem-maschinenungetuem-ebbe-und-flut-vorhersagen-wollte/20063264.html>

"Gebaut im VEB Lokomotivbau Karl Marx", wo auch sonst ;-) Siemens baute
ebenfalls Züge und Rechner.

Gruß, Ralf
Arno Welzel
2017-07-15 15:57:35 UTC
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Raw Message
Post by Ralf Kiefer
Hallo!
Mir sind nicht viele Beispiele für Analogrechner bekannt, bei denen man
erstens die Funktionsweise ahnen kann, zweitens die Aufgabe und das
Ergebnis so einfach versteht. Die Gezeitenrechner aus Kaiserreich, dem
3. Reich und der DDR sind solche. Der Tagesspiegel hat einen kleinen
<http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/ingenieurkunst-wie-die-ddr-mit-e
inem-maschinenungetuem-ebbe-und-flut-vorhersagen-wollte/20063264.html>
"Gebaut im VEB Lokomotivbau Karl Marx", wo auch sonst ;-) Siemens baute
ebenfalls Züge und Rechner.
Die URL geht auch Kürzer:

<http://www.tagesspiegel.de/20063264.html>
--
Arno Welzel
https://arnowelzel.de
https://de-rec-fahrrad.de
http://fahrradzukunft.de
Ralf Kiefer
2017-07-15 16:21:05 UTC
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Raw Message
Die erkenne ich nur nicht. Jede Portalseite macht das heutzutage auf
anderem Weg. Bei manchen Portalen ist solch ein kurzer URL textuell auf
der Seite vorhanden, z.B. bei Heise, bei manchen nur, wenn man aktive
Elemente freischaltet.

[OT]
BTW ich sörfe selbstverständlich ohne Javascript und werde das weder der
Portalseite noch den anderen 9 Seiten, die beim Tagesspiegel eingebunden
sind und irgendwas von meinem Rechner wollen, freischalten. Nochwas: die
FAZ hat sich vor einigen Tagen aus dem Gelesenwerdenwollen vollständig
ausgeklinkt: die liefern jetzt ohne Javascript gar nichts mehr aus.

Gruß, Ralf
Martin Peters
2017-07-24 09:57:11 UTC
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Raw Message
Post by Ralf Kiefer
Die erkenne ich nur nicht. Jede Portalseite macht das heutzutage auf
anderem Weg.
Das ist auch heutzutage noch ein sehr verbreitetes Vorgehen bei solchen
Seiten. Man kann immer mal ausprobieren, "Ueberschriften"-Texte und
Kategorie-Verzeichnisse testweise aus dem URL zu entfernen, dann sieht
man ja, ob's tut.

(...)
Post by Ralf Kiefer
[OT]
BTW ich sörfe selbstverständlich ohne Javascript und werde das weder der
Portalseite noch den anderen 9 Seiten, die beim Tagesspiegel eingebunden
sind und irgendwas von meinem Rechner wollen, freischalten. Nochwas: die
FAZ hat sich vor einigen Tagen aus dem Gelesenwerdenwollen vollständig
ausgeklinkt: die liefern jetzt ohne Javascript gar nichts mehr aus.
Ja. Eine furchtbare "Entwicklung". Der Dammbruch war aber schon vor
vielen Jahren. Ich hab mich vor etwa zwei Jahren endgueltig damit
abgefunden, dass es zunehmend "unmoeglicher" (jaja, nicht steigerbar)
wird, das Web ohne Javascript zu benutzen. Diese Zeit wird auch nicht
mehr zurueck kommen. It's dead, Jim!

Seitdem macht es mit meinem betagten Pentium-D-Rechner auch zunehmend
keinen Spass mehr, das Web zu nutzen. Es geht noch, aber es wird zaeher.
Michael Bäuerle
2017-07-24 11:01:46 UTC
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Raw Message
Post by Martin Peters
Post by Ralf Kiefer
[OT]
BTW ich sörfe selbstverständlich ohne Javascript und werde das weder der
Portalseite noch den anderen 9 Seiten, die beim Tagesspiegel eingebunden
sind und irgendwas von meinem Rechner wollen, freischalten. Nochwas: die
FAZ hat sich vor einigen Tagen aus dem Gelesenwerdenwollen vollständig
ausgeklinkt: die liefern jetzt ohne Javascript gar nichts mehr aus.
Ja. Eine furchtbare "Entwicklung". Der Dammbruch war aber schon vor
vielen Jahren. Ich hab mich vor etwa zwei Jahren endgueltig damit
abgefunden, dass es zunehmend "unmoeglicher" (jaja, nicht steigerbar)
wird, das Web ohne Javascript zu benutzen. Diese Zeit wird auch nicht
mehr zurueck kommen. It's dead, Jim!
Ich beobachte stellenweise das Gegenteil. Manche Lieferanten rufen an
und fragen nach der Zufriedenheit. Ich als Kunde beschwere mich dann,
wenn deren Internetseiten ohne JavaScript nicht wenigstens Grund-
funktionen bieten bzw. früher schonmal besser funktioniert haben.
Manchmal stelle ich dann fest, dass später tatsächlich diverse
Funktionen plötzlicher wieder ohne JavaScript verfügbar sind.
Sind natürlich Ausnahmen, aber es geht nicht überall immer nur bergab.
Post by Martin Peters
Seitdem macht es mit meinem betagten Pentium-D-Rechner auch zunehmend
keinen Spass mehr, das Web zu nutzen. Es geht noch, aber es wird zaeher.
Ohne JavaScript reagieren manche Seiten auch bei brandneuem Rechner um
eine Größenordnung schneller. Insbesondere wenn die Suchfunktion ohne
JavaScript funktioniert ist das oft ein Segen.
Stefan Reuther
2017-07-24 16:09:26 UTC
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Raw Message
Post by Michael Bäuerle
Post by Martin Peters
Seitdem macht es mit meinem betagten Pentium-D-Rechner auch zunehmend
keinen Spass mehr, das Web zu nutzen. Es geht noch, aber es wird zaeher.
Ohne JavaScript reagieren manche Seiten auch bei brandneuem Rechner um
eine Größenordnung schneller. Insbesondere wenn die Suchfunktion ohne
JavaScript funktioniert ist das oft ein Segen.
Es macht auch einen Unterschied, ob der Browser wirklich kein JavaScript
kann und das der Webseite auch so mitteilt (also z.B.
<noscript>-Bereiche ausführt), oder ob er behauptet, JavaScript zu
können, aber von NoScript daran gehindert wird. Oder, beim älteren
Browser, das JavaScript auszuführen versucht und dabei auf die Nase fällt.

Sowas wie GMX-Webmail oder die Bahn funktionieren jedenfalls auch mit
links/lynx.


Stefan
Andreas Kohlbach
2017-07-24 22:02:09 UTC
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Raw Message
Post by Stefan Reuther
Post by Michael Bäuerle
Post by Martin Peters
Seitdem macht es mit meinem betagten Pentium-D-Rechner auch zunehmend
keinen Spass mehr, das Web zu nutzen. Es geht noch, aber es wird zaeher.
Ohne JavaScript reagieren manche Seiten auch bei brandneuem Rechner um
eine Größenordnung schneller. Insbesondere wenn die Suchfunktion ohne
JavaScript funktioniert ist das oft ein Segen.
Es macht auch einen Unterschied, ob der Browser wirklich kein JavaScript
kann und das der Webseite auch so mitteilt (also z.B.
<noscript>-Bereiche ausführt), oder ob er behauptet, JavaScript zu
können, aber von NoScript daran gehindert wird. Oder, beim älteren
Browser, das JavaScript auszuführen versucht und dabei auf die Nase fällt.
Das, oder eine Browserweiche. Man könnte entweder unbekannten Browsern
eine "lite" Seiten geben. Oder gar erkennen, dass das jemand lynx nutzt.
Post by Stefan Reuther
Sowas wie GMX-Webmail oder die Bahn funktionieren jedenfalls auch mit
links/lynx.
In GMX kann ich eben mit Firefox keine Mails mehr öffnen. In lynx dagegen
geht es. *g*
--
Andreas
You know you are a redneck if
the best way to keep things cold is to leave'em in the shade.
Ralf Kiefer
2017-07-24 22:19:16 UTC
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Raw Message
Post by Andreas Kohlbach
In GMX kann ich eben mit Firefox keine Mails mehr öffnen.
Bei GMX kann ich mit Firefox 45esr und Noscript in vollem Einsatz
problemlos Mails anschauen. Man darf sich nur nicht von der blöden
Anmache von GMX beeindrucken lassen und muß auf "ich will ohne
Javascript" klicken. Auch die Weiterleitung auf eine andere Domain muß
ich manuell absegnen.

Gruß, Ralf
Andreas Kohlbach
2017-07-24 22:55:09 UTC
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Raw Message
Post by Ralf Kiefer
Post by Andreas Kohlbach
In GMX kann ich eben mit Firefox keine Mails mehr öffnen.
Bei GMX kann ich mit Firefox 45esr und Noscript in vollem Einsatz
problemlos Mails anschauen. Man darf sich nur nicht von der blöden
Anmache von GMX beeindrucken lassen und muß auf "ich will ohne
Javascript" klicken. Auch die Weiterleitung auf eine andere Domain muß
ich manuell absegnen.
Ich habe kein Noscript Addon. Wenn ich aber den Werbeproxy abschalte, geht es
auch mit GMX. Kommt am Ende aufs selbe heraus.

Seltsam nur, dass es bis letzten Monat auch noch mit Werbeproxy ging.

Ich f'uppe mal poster, da doch sehr off topic hier.
--
Andreas
You know you are a redneck if
the best way to keep things cold is to leave'em in the shade.
Goetz Hoffart
2017-07-24 18:54:31 UTC
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Raw Message
Post by Martin Peters
Ja. Eine furchtbare "Entwicklung".
Naja, dass wir vor intelligenten Terminals sitzen, die auch Code lokal
ausführen können? Ist ja nicht ganz neu, diese Idee.

Grüße
Götz
--
http://www.3rz.org/
Ralf Kiefer
2017-07-24 20:03:59 UTC
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Raw Message
Post by Goetz Hoffart
Naja, dass wir vor intelligenten Terminals sitzen, die auch Code lokal
ausführen können? Ist ja nicht ganz neu, diese Idee.
Nur muß man im Fall des Webs davon ausgehen, daß der, der den Code
schickt, keine freundliche Absicht hat.

Gruß, Ralf
Goetz Hoffart
2017-07-24 21:43:31 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Ralf Kiefer
Nur muß man im Fall des Webs davon ausgehen, daß der, der den Code
schickt, keine freundliche Absicht hat.
Das halte ich für den Sonder-, nicht den Regelfall.

Grüße
Götz
--
http://www.knubbelmac.de/
Ralf Kiefer
2017-07-24 22:19:17 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Goetz Hoffart
Post by Ralf Kiefer
Nur muß man im Fall des Webs davon ausgehen, daß der, der den Code
schickt, keine freundliche Absicht hat.
Das halte ich für den Sonder-, nicht den Regelfall.
Das erste Mal ist bereits zuviel. Ich betreibe einen separaten Rechner
nur wg. des Sörfens komplett ohne Schutz, sozusagen das
Gangbang-Kisterl. Falls der mal vom Staatstrojaner oder anderem Unbill
befallen sein sollte, geht der direkt in die Tonne. Komplett. Schade um
den Raspi, aber alles andere wäre noch teurer. Die Wahrscheinlichkeit
ist immerhin relativ gering, daß ein Raspi befallen wird :-) Anders als
mit einer Windows-10-Kiste.

Gruß, Ralf
Goetz Hoffart
2017-07-24 23:06:53 UTC
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Raw Message
Post by Ralf Kiefer
Post by Goetz Hoffart
Post by Ralf Kiefer
Nur muß man im Fall des Webs davon ausgehen, daß der, der den Code
schickt, keine freundliche Absicht hat.
Das halte ich für den Sonder-, nicht den Regelfall.
Das erste Mal ist bereits zuviel.
Dann müßtest du deinen Mac seit 1985 von aller fremden Software
fernhalten.

Schadsoftware gibt es schon ewig, früher kam sie per Diskette, dann im
HyperCard-Stack (der auch Turing-vollständig war), nun halt im Web. Na
und?

Grüße
Götz
--
http://www.knubbelmac.de/
Ralf Kiefer
2017-07-24 23:45:21 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Goetz Hoffart
Dann müßtest du deinen Mac seit 1985 von aller fremden Software
fernhalten.
Mit den Macs habe ich heute kein Problem, denn die sind mangels
Web-Browser schon lange nicht mehr im Web unterwegs. Die spielen nur
noch mit anderen Ports.

Was das "Früher" angeht: ich nutzte Disinfectant. Das war zuverlässig.
Außerdem paßte ich höllisch auf mit Software aus fremden Quellen. Fürs
MacNetz, dem FirstClass-Mailbox-Netz, nutzte ich einen eigenen Mac als
Quarantänestation. Erfolgreich :-)
Post by Goetz Hoffart
Schadsoftware gibt es schon ewig, früher kam sie per Diskette, dann im
HyperCard-Stack (der auch Turing-vollständig war), nun halt im Web. Na
und?
Eben, im Web.

In den 1980er bekam ich die Mac-Software per Diskette von Freunden, auf
die ich mich verlassen konnte. Disketten, die einmal in einem Mac z.B.
in der Virenbrutstätte Universität steckten, kamen mir nicht ins
Laufwerk. Die wenigen paar Male Befall mit damaliger Schad-Software
schaffte Disinfectant. Das ist jetzt 25Jahre her.

In den 1990er Jahren kam Software auf CD. Die waren vom Hersteller oder
von Zeitschriften, und verläßlich. Dann kam das MacNetz dazu, siehe
oben.

Ich habe danach einmal einen Mac bekommen, auf dessen Festplatte ein
uralter Virus war. Da ich Fremdfestplatten erstmal in Quarantäne prüfte,
kam mir das nicht auf meinen wichtigen Mac. So gesehen war's damals
recht einfach.

Die Angriffsszenarien sind heute viel ausgefeilter und schnellebiger. Es
gibt mehr Gegner, und es gibt mehr Lücken. Javascript und andere aktive
Elemente gab's vor 20Jahren im Web praktisch nicht, denn die Seiten
waren überwiegend reines HTML. Heute nehme ich 3 verschiedene Rechner
fürs Web, je nach Ziel. www.privacy-handbuch.de liefert die Erklärung.
Und ich mache noch nicht mal Kritisches wie Online-Banking, für den ein
vierter Rechner fällig wäre. Erwähnte ich schon mal, daß ich zur ersten
Generation gehören werde, die keinen Rechner mit Web-Zugang mehr haben
wird? Den Web-Zugang zu administrieren wird langsam zu zeitaufwendig und
zu teuer.

Gruß, Ralf
Goetz Hoffart
2017-07-25 00:13:10 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Ralf Kiefer
Mit den Macs habe ich heute kein Problem, denn die sind mangels
Web-Browser schon lange nicht mehr im Web unterwegs. Die spielen nur
noch mit anderen Ports.
Was das "Früher" angeht: ich nutzte Disinfectant. Das war zuverlässig.
Außerdem paßte ich höllisch auf mit Software aus fremden Quellen.
Nutzt ja nix - ein Virenscanner hält ja nie alles ab, und du schreibst
ja selbst »Das erste Mal ist bereits zuviel.« Und wie wir heute
endgültig wissen, wäre der Virenscanner selbst auch ein gutes
Einfallstor.
Post by Ralf Kiefer
Die Angriffsszenarien sind heute viel ausgefeilter und schnellebiger. Es
gibt mehr Gegner, und es gibt mehr Lücken.
Mehr Gegner, sicher (gibt ja auch »etwas« mehr Teilnehmer). »Mehr
Lücken«? Da die damals schlicht nicht systematisch untersucht wurden,
weiß man das nicht. Wenn man sich Code aus der Zeit anguckt, läßt das
aber schlimmes befürchten. Buffer Overflows aller Orten.
Post by Ralf Kiefer
Javascript und andere aktive Elemente gab's vor 20Jahren im Web praktisch
nicht, denn die Seiten waren überwiegend reines HTML.
Vor 20 Jahren war da noch schön Flash bei. Und JavaApplets. Und
RealPlayer. Und wenn das nicht, dann gab es eine Tonne Sicherheitslecks
per Buffer Overflow in den Browsern. Auch ohne Javascript. Sandbox war
auch nicht, und normale Macs und Windows-PCs hatten ja nichtmal
Speicherschutz, oder eine Rechteverwaltung.

Ich sag nicht dass es heute alles ganz toll ist. Aber das »früher war
es sicherer«, was ich da zwischen den Zeilen lese, halte ich für falsch.
Die Krypto damals war entweder nicht vorhanden, oder ein schlechter Witz
- Netscape mit 40 Bit Kryptoexporterlaubnis ... das war von Tag 1 durch
die Dienste abschnorchelbar. PFS? Gab es nicht. Es gab nur PGP. Aber
eben nicht im Web. Software wurde nicht zielgerichtet auf Schwachstellen
untersucht, es gab kein Project Zero und keine Bug Bounties. Sicherheit
gleich einzubauen war keine Priorität (im Segment der »normalen« PCs und
Macs).

Ich bleib dabei: wenn du wirklich Sorge um deine Rechnersicherheit hast,
darfst du dich nicht vernetzen. Du kannst den Angriffsvektor verringern,
in dem du auf Features verzichtest. JavaScript. GIF. JPEG. Schriften.
Alles, was einen (serverbasierten) Login benötigt. Letzten Endes kommt
man dabei dann knapp über Gopher, aber ohne Bilder raus.

Grüße
Götz
--
http://www.knubbelmac.de/
Ralf Kiefer
2017-07-25 15:37:07 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Goetz Hoffart
Nutzt ja nix - ein Virenscanner hält ja nie alles ab, und du schreibst
ja selbst »Das erste Mal ist bereits zuviel.«
Genau das ist das Problem mit dem Schlangenöl: es hinkt der Entwicklung
immer hinterher.
Post by Goetz Hoffart
Und wie wir heute
endgültig wissen, wäre der Virenscanner selbst auch ein gutes
Einfallstor.
Diesen Verdacht hatten wir schon zur Hochzeit der Viren im Mac-Bereich,
also so um 1990/1991 herum. Eine These war, daß die Anti-Virus-Programme
die nächste Generation Schad-Software gleich mitbringen, damit ihre
Existenzgrundlage erhalten bleibt. Deswegen war ich froh, daß die
Virus-Autoren die Windows-Welt entdeckten und sich aus dem Mac-Bereich
nahezu komplett zurückzogen. Das frei erhältliche Disinfectant wurde
1997 endgültig eingestellt, weil es nicht mehr gebraucht wurde.

BTW es war zu Zeiten des späten System 6 und frühen System 7 bereits so,
daß Antivirus-Software, die nebenbei im laufenden Betrieb reinkommende
Dateien und Medien prüfte u.ä. Hokuspokus betrieb, die Stabilität des
Systems negativ beeinflußte.
Post by Goetz Hoffart
Vor 20 Jahren war da noch schön Flash bei.
Das, was in der Anfangszeit des Web zappelte, waren animierte GIFs.
Realplayer und Java hatten nahezu von Anfang an einen schlechten Ruf.
Bei mir war's so, daß nach einer kurzen Phase der Begeisterung über die
neuen Möglichkeiten die Skepsis überwog und genau diese Elemente recht
schnell entsorgt waren. Was Javascript anging waren die Möglichkeiten zu
Beginn des Jahrtausends noch deutlich eingeschränkt zu dem, was heute
gemacht wird. Heute gibt's keine Unterscheidung mehr zwischen Web-Seiten
mit quasi statischem Inhalt und komplexer Anwendungs-Software, die
zufällig in Javascript geschrieben auf dem PC des Opfers läuft. Wie vor
ein paar Tagen erwähnt: bei der FAZ kommt gar kein Inhalt mehr, wenn
kein Javascript verwendet wird. Wie blöd sind denn die?
Post by Goetz Hoffart
Sandbox war
auch nicht, und normale Macs und Windows-PCs hatten ja nichtmal
Speicherschutz, oder eine Rechteverwaltung.
Der Schutz ist auch heute nicht so toll. Das wird regelmäßig umgangen.
Post by Goetz Hoffart
Aber das »früher war
es sicherer«, was ich da zwischen den Zeilen lese, halte ich für falsch.
Es ist andersherum: das Risiko war damals nicht so groß. Ransomware?
Seit ein paar Jahren in Umlauf. Botnetze? Vor 15 Jahren völlig
unbekannt. Ich frage mich manchmal, was die Schad-Software damals um
1990 herum überhaupt machte, was heute auffällig wäre. Die verbreitete
sich über Speichermedien, machte die ein oder andere Anwendung kaputt.
War da mehr? Das macht der unvermeidbare Windows-10-Updater heute ab
Werk und mit Ansage.

Schaue ich mir die Schilderungen an, was heute ganz normale Programme
auf den Schlaufonen machen wie z.B. Datenweitergabe übers Netz, dann
wäre das 1990 als GAU empfunden worden, heute betrachtet es fast jeder
Nutzer eines Schlaufons als normal oder interessiert sich nicht dafür.

Dazu bekamen wir in den vergangenen Jahren Software untergeschoben, die
es "damals" nie hätte geben können: das Betriebssystem unter dem
Betriebssystem, Intels AMT. Dieses hat die Kontrolle über die Hardware
völlig unabhängig davon, ob drüber irgendein Windows, MacOS (Intel) oder
ein Linux läuft. Und es ist fernsteuerbar.

Um dessen Aktivitäten zu erkennen und nachzuweisen müßte ich ein IDS in
meinem lokalen Netz betreiben. Du könntest das, ich könnte das mit einer
entsprechenden Einarbeitungszeit. Wer überwacht sein Netz tatsächlich?
Post by Goetz Hoffart
Die Krypto damals war entweder nicht vorhanden, oder ein schlechter Witz
- Netscape mit 40 Bit Kryptoexporterlaubnis ... das war von Tag 1 durch
die Dienste abschnorchelbar.
Was hat man denn vor 20 Jahren im Web (nicht Email) gemacht, wo der
Inhalt hätte verschlüsselt werden müssen? Online-Shops, Online-Banking
u.ä. gab's nicht.

Die Verbindungsdaten gibt's mit Verschlüsselung trotzdem, und die sind
heute für die Dienste bereits mehr wert als die Inhalte. Außer der
Nutzer "spielt" mit Tor, VPN oder Anonymisierungsdiensten. Und das
kostet Zeit, Wissen und/oder Geld.
Post by Goetz Hoffart
Software wurde nicht zielgerichtet auf Schwachstellen
untersucht, es gab kein Project Zero und keine Bug Bounties. Sicherheit
gleich einzubauen war keine Priorität (im Segment der »normalen« PCs und
Macs).
Da hat sich bei "normaler" PC-Software bis heute nichts geändert. Ganz
im Gegenteil ist das Risiko mit moderner Software noch gewachsen, denn
heutige Coder basteln letztendlich "nur" noch ein paar Programmzeilen
zwischen die Nutzung von Fremdcode. Was da drin steckt und wie die
funktioniert bleibt den allermeisten verborgen, Fehler inklusive.
Dagegen war z.B. Mac-Software um 1990 herum überschaubar. Die konnte von
einem engagierten "Hobbyforscher" in wenigen Tagen in überschaubaren
Häppchen analysiert sein. BTDT.

BTW Project Zero ist von Google initiiert, AFAIK. Da kann man gleich den
Fuchs auf den Hühnerstall aufpassen lassen.
Post by Goetz Hoffart
Ich bleib dabei: wenn du wirklich Sorge um deine Rechnersicherheit hast,
darfst du dich nicht vernetzen. Du kannst den Angriffsvektor verringern,
in dem du auf Features verzichtest. JavaScript. GIF. JPEG. Schriften.
Alles, was einen (serverbasierten) Login benötigt. Letzten Endes kommt
man dabei dann knapp über Gopher, aber ohne Bilder raus.
Dann kommen wir zum gleichen Ergebnis. Meine Einschätzung der
Entwicklung unterscheidet sich nicht wesentlich von Deiner. Nur meine
Konsequenzen sind andere. Ich hab's langsam satt diese ganze
Infrastruktur zu betreiben, nur damit ich ein paar Sachen im Web machen
kann. Der Aufwand mit den Routern, den verschiedenen Rechnern und
Browsern und anderen Anwendungen wird immer größer statt geringer. Es
führt dazu, daß ein Zeitungsabonnement wieder preisgünstiger wird als im
Web unterwegs zu sein.

Oder ich kauf mir monatlich einen vorinstallierten Rechner zum Sörfen,
speichere systematisch keine persönlichen Daten drauf und werfe den dann
in die Tonne. Das kostet beim billigsten Angebot, dem Raspi 3 mit
Speicherkarte, um die 45 Euros. Pro Monat. Wenn er nicht so lange
durchhält, dann wird's eben teurer. Die Router-Struktur brauche ich
trotzdem, denn diesen Sörf-PC würde ich nie in dasselbe Netz hängen, in
dem die anderen, die wichtigen Rechner sind.

Gruß, Ralf
Hanno Foest
2017-07-26 09:50:51 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Ralf Kiefer
Das frei erhältliche Disinfectant wurde
1997 endgültig eingestellt, weil es nicht mehr gebraucht wurde.
Da erinnere ich mich anders - Disinfectant wurde eingestellt, weil ein
einzelner Freeware-Programmierer es nicht mehr schaffen könne, alle
Viren zuverlässig zu erkennen. Es wurde stattdessen kommerzielle
Antivirus-Software empfohlen.

*nachguck* Wikipedia bestätigt mein Gedächtnis:

"In May 1998, Norstad retired Disinfectant, citing the new danger posed
by macro viruses, which Disinfectant did not detect, and the inability
of a single individual to maintain a program that caught all of them."

https://en.wikipedia.org/wiki/Disinfectant_(software)

Hanno
Ralf Kiefer
2017-07-26 10:18:47 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Hanno Foest
Da erinnere ich mich anders - Disinfectant wurde eingestellt, weil ein
einzelner Freeware-Programmierer es nicht mehr schaffen könne, alle
Viren zuverlässig zu erkennen. Es wurde stattdessen kommerzielle
Antivirus-Software empfohlen.
Ich erinnere mich bei kommerziell an Norton. Die waren nicht sonderlich
erfolgreich, denn das brauchte eigentlich(!) keiner. AFAIR lag das bei
System 7.5/7.6 (um 1995 bis 1997) bei diversen Rechnerreihen mit vielen
mitgelieferten CDs mit im Stapel. Frei mit monatlichen Updates für 2
oder 3 Jahre, oder so. In meinem Umkreis hat das keiner benutzt. BTW das
war zur Hochzeit der Mailbox-Netze (MacNetz, MAUS u.a.), einem
eigentlich idealen Biotop für Viren.

Gruß, Ralf

Stefan Reuther
2017-07-25 17:00:53 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Ralf Kiefer
Post by Goetz Hoffart
Schadsoftware gibt es schon ewig, früher kam sie per Diskette, dann im
HyperCard-Stack (der auch Turing-vollständig war), nun halt im Web. Na
und?
Eben, im Web.
In den 1980er bekam ich die Mac-Software per Diskette von Freunden, auf
die ich mich verlassen konnte. Disketten, die einmal in einem Mac z.B.
in der Virenbrutstätte Universität steckten, kamen mir nicht ins
Laufwerk. Die wenigen paar Male Befall mit damaliger Schad-Software
schaffte Disinfectant. Das ist jetzt 25Jahre her.
Früher war die Erstnutzung einer neuen Software noch ein Ereignis und
kam relativ selten vor.

Ob ich eine neue Software haben will und dazu eine *.exe auf meine
Platte kopiere, oder ob ich die Software mir im Browser ausführen lasse,
kommt aufs gleiche raus. Wer täglich nur seine drei Webseiten anschaut
ist genauso sicher oder unsicher wie der, der täglich nur seine drei
Programme benutzt.

Dass Webseiten Inhalt aus unsicheren Drittquellen nachlädt, ist leider
eine Unsitte, die auch bei *.exe zunimmt.
Post by Ralf Kiefer
In den 1990er Jahren kam Software auf CD. Die waren vom Hersteller oder
von Zeitschriften, und verläßlich.
Äh, auch Zeitschriften und Softwarevertreiber haben schon Viren
ausgeliefert. Einer der ersten Viren überhaupt (Brain) kam von einem
Softwarevertreiber!
Post by Ralf Kiefer
Die Angriffsszenarien sind heute viel ausgefeilter und schnellebiger. Es
gibt mehr Gegner, und es gibt mehr Lücken. Javascript und andere aktive
Elemente gab's vor 20Jahren im Web praktisch nicht, denn die Seiten
waren überwiegend reines HTML.
Mal ehrlich: da sitzt dein 15-jähriges Ich mit dem Kumpel vor der Kiste,
der Kumpel hat die "Wolfenstein 3D", "Doom" oder "Strip Poker"-Floppy in
der Hand "los, mach, ist indiziert, voll cool!". Schmeißt du da wirklich
erst dein Modem an, holst dir die neueste Version von McAfee SCAN und
prüfst auf Viren?


Stefan
Ralf Kiefer
2017-07-25 19:08:54 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Stefan Reuther
Ob ich eine neue Software haben will und dazu eine *.exe auf meine
Platte kopiere, oder ob ich die Software mir im Browser ausführen lasse,
kommt aufs gleiche raus.
Dass Webseiten Inhalt aus unsicheren Drittquellen nachlädt, ist leider
eine Unsitte, die auch bei *.exe zunimmt.
Bei Web-Seiten lassen sich die übelsten Auswüchse mit einem Adblocker
verhindern.

Auf Windows-PCs war es schon lange eine Unsitte, daß beliebige Software
nach Hause telefonierte, sofern sie ins Internet kam. Da war das MacOS
und seine Anwender-Software jahrelang im Hintertreffen. Aber zu Beginn
der MacOS-X-Zeit hat die Apple-Welt kräftig aufgeholt.

Die ausführbaren Programme auf meinem aktuellen Windows-PC kenne ich
hoffentlich, die von sich aus eine Verbindung ins Internet aufbauen.
"netstat -an" bzw. "-bn" sind mir bekannt :-)
Post by Stefan Reuther
Äh, auch Zeitschriften und Softwarevertreiber haben schon Viren
ausgeliefert. Einer der ersten Viren überhaupt (Brain) kam von einem
Softwarevertreiber!
Dabei handelt es sich um Schad-Software für MS-DOS-PCs. Im Mac-Bereich
fand ich keinen Fall mit Schad-Software auf Zeitschriften- oder
Hersteller-CDs.
Post by Stefan Reuther
Mal ehrlich: da sitzt dein 15-jähriges Ich mit dem Kumpel vor der Kiste,
der Kumpel hat die "Wolfenstein 3D", "Doom" oder "Strip Poker"-Floppy in
der Hand "los, mach, ist indiziert, voll cool!". Schmeißt du da wirklich
erst dein Modem an, holst dir die neueste Version von McAfee SCAN und
prüfst auf Viren?
Meine Rechner habe ich immer exklusiv benutzt, und die Quellen, aus
denen ich Medien entgegennahm, ebenfalls. Die, die seinerzeit Kontakt
mit der "belebten" Welt in der Uni hatten, waren nach einigen Monaten
aus naheliegenden Gründen so weit sensibilisiert, daß es auch bei denen
klappte. Bedenke, wer damals einen Mac nutzte! Wie beschrieben: ab Mitte
der 1990er war sowieso Schluß mit Schad-Software auf dem Mac (unter dem
echten MacOS).

Heute macht in den Portalen die Runde, daß es eine Schad-Software mit
dem Name Fruitfly gibt, von der Ursprünge im MacOS 9 zu verorten seien.
Die wurde erst jetzt entdeckt, allerdings ausschließlich auf
MacOS-X-Rechnern.

BTW Disinfectant hatte die Viruskennungen innerhalb der ausführbaren
Datei (-> Mac und Resourcen, wie üblich damals). Die letzte Version war
3.7.1. Die dritte Stelle der Versionsnummer wurde selten benutzt,
zweistellig genügte meist. Ich habe in meinem Archiv auf der Festplatte
nachgeschaut:
1.0 19.3.1989
1.5 16.4.1989
1.6 31.1.1990
1.8 20.5.1990
2.2 12.10.1990
2.5.1 8.7.1991
2.8 19.4.1992
2.9 4.7.1992
3.6 7.4.1995
3.7.1 8.7.1997

Einige Zehntelversionsnummern scheint es nicht gegeben zu haben, denn
z.B. der Zeitabstand zwischen 1.0 und 1.5 war sowieso schon gering.
Soviel zum Thema aktuelle Viren-Beschreibungen seinerzeit. Aus dem
Blickwinkel der heutigen Windows-Welt lebten wir damals in Zeitlupe :-)

Gruß, Ralf
Wolf gang P u f f e
2017-07-18 16:05:16 UTC
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Raw Message
Post by Ralf Kiefer
Hallo!
Mir sind nicht viele Beispiele für Analogrechner bekannt, bei denen man
erstens die Funktionsweise ahnen kann, zweitens die Aufgabe und das
Ergebnis so einfach versteht. Die Gezeitenrechner aus Kaiserreich, dem
3. Reich und der DDR sind solche. Der Tagesspiegel hat einen kleinen
<http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/ingenieurkunst-wie-die-ddr-mit-e
inem-maschinenungetuem-ebbe-und-flut-vorhersagen-wollte/20063264.html>
"Gebaut im VEB Lokomotivbau Karl Marx", wo auch sonst ;-) Siemens baute
ebenfalls Züge und Rechner.
Sehr interessant, danke für den Hinweis.
Andreas Bockelmann
2017-07-18 16:35:12 UTC
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Raw Message
Post by Wolf gang P u f f e
Post by Ralf Kiefer
Hallo!
Mir sind nicht viele Beispiele für Analogrechner bekannt, bei denen man
erstens die Funktionsweise ahnen kann, zweitens die Aufgabe und das
Ergebnis so einfach versteht. Die Gezeitenrechner aus Kaiserreich, dem
3. Reich und der DDR sind solche. Der Tagesspiegel hat einen kleinen
<http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/ingenieurkunst-wie-die-ddr-mit-e
inem-maschinenungetuem-ebbe-und-flut-vorhersagen-wollte/20063264.html>
"Gebaut im VEB Lokomotivbau Karl Marx", wo auch sonst ;-) Siemens baute
ebenfalls Züge und Rechner.
Sehr interessant, danke für den Hinweis.
Ebenfalls danke, aber der Schreiberling sollte mal in die Schule gehen.

Was um alles in der Welt ist eine Nazi-Maschine?
--
Mit freundlichen Grüßen
Andreas Bockelmann
Chr. Maercker
2017-07-18 20:02:38 UTC
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Post by Ralf Kiefer
Mir sind nicht viele Beispiele für Analogrechner bekannt, bei denen man
erstens die Funktionsweise ahnen kann, zweitens die Aufgabe und das
Ergebnis so einfach versteht. Die Gezeitenrechner aus Kaiserreich, dem
3. Reich und der DDR sind solche. Der Tagesspiegel hat einen kleinen
<http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/ingenieurkunst-wie-die-ddr-mit-e
inem-maschinenungetuem-ebbe-und-flut-vorhersagen-wollte/20063264.html>
Wozu brauchte die DDR einen Gezeitenrechner???
--
Duck & wech Chr. Maercker.
Andreas Bockelmann
2017-07-19 06:16:34 UTC
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Post by Chr. Maercker
Post by Ralf Kiefer
Mir sind nicht viele Beispiele für Analogrechner bekannt, bei denen man
erstens die Funktionsweise ahnen kann, zweitens die Aufgabe und das
Ergebnis so einfach versteht. Die Gezeitenrechner aus Kaiserreich, dem
3. Reich und der DDR sind solche. Der Tagesspiegel hat einen kleinen
<http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/ingenieurkunst-wie-die-ddr-mit-e
inem-maschinenungetuem-ebbe-und-flut-vorhersagen-wollte/20063264.html>
Wozu brauchte die DDR einen Gezeitenrechner???
Um dem großen Bruder die Gezeiten zu berechnen. Der hat schließlich U-Boote.
Wäre es nur für die DDR gewesen, bräuchte man nicht die Ortsfaktoren, da
hätte man die Ostsee hart verdrahten können.
--
Mit freundlichen Grüßen
Andreas Bockelmann
Chr. Maercker
2017-07-21 19:19:05 UTC
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Post by Andreas Bockelmann
Um dem großen Bruder die Gezeiten zu berechnen. Der hat schließlich U-Boote.
Ich fürchte, wenn der Rechner dafür gedacht war, wäre das Ding nicht in
der DDR geblieben. Oder gleich in Russland gebaut worden. Dorthin passt
er von der Bauweise her sowieso viel besser. ;-)
--
CU Chr. Maercker.
Dieter Brügmann
2017-07-19 15:34:12 UTC
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Post by Chr. Maercker
Post by Ralf Kiefer
Mir sind nicht viele Beispiele für Analogrechner bekannt, bei denen man
erstens die Funktionsweise ahnen kann, zweitens die Aufgabe und das
Ergebnis so einfach versteht. Die Gezeitenrechner aus Kaiserreich, dem
3. Reich und der DDR sind solche. Der Tagesspiegel hat einen kleinen
<http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/ingenieurkunst-wie-die-ddr-mit-e
inem-maschinenungetuem-ebbe-und-flut-vorhersagen-wollte/20063264.html>
Wozu brauchte die DDR einen Gezeitenrechner???
Sicher als Vorbereitung für die Zeit nach der Übernahme der BRD und
der übrigen westeuropäischen Staaten.


Da Didi
--
Dieter Brügmann, Spandau (bei Berlin) http://didispandau.de
Chr. Maercker
2017-07-21 19:16:08 UTC
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Sicher als Vorbereitung für die Zeit nach der Übernahme der BRD und der
übrigen westeuropäischen Staaten.
Ja, so sieht der Rechner auch aus.
--
CU Chr. Maercker.
Wolf gang P u f f e
2017-07-19 17:53:44 UTC
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Post by Chr. Maercker
Post by Ralf Kiefer
Mir sind nicht viele Beispiele für Analogrechner bekannt, bei denen man
erstens die Funktionsweise ahnen kann, zweitens die Aufgabe und das
Ergebnis so einfach versteht. Die Gezeitenrechner aus Kaiserreich, dem
3. Reich und der DDR sind solche. Der Tagesspiegel hat einen kleinen
<http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/ingenieurkunst-wie-die-ddr-mit-e
inem-maschinenungetuem-ebbe-und-flut-vorhersagen-wollte/20063264.html>
Wozu brauchte die DDR einen Gezeitenrechner???
Vermutlich um der eigenen Handelsflotte entsprechende Daten für die
Zielhäfen mit auf den Weg zu geben.

W.
Andreas Kohlbach
2017-07-19 21:48:35 UTC
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Post by Chr. Maercker
Post by Ralf Kiefer
Mir sind nicht viele Beispiele für Analogrechner bekannt, bei denen man
erstens die Funktionsweise ahnen kann, zweitens die Aufgabe und das
Ergebnis so einfach versteht. Die Gezeitenrechner aus Kaiserreich, dem
3. Reich und der DDR sind solche. Der Tagesspiegel hat einen kleinen
<http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/ingenieurkunst-wie-die-ddr-mit-e
inem-maschinenungetuem-ebbe-und-flut-vorhersagen-wollte/20063264.html>
Wozu brauchte die DDR einen Gezeitenrechner???
War die Wirtschaft (verursacht durch die Russen) so weit herunter
gewirtschaftet, dass man sich nicht mal Gezeiten leisten konnte? ;-)
--
Andreas
You know you are a redneck if
you ever done your christmas shopping at a truck stop.
Ralf Kiefer
2017-07-19 22:22:12 UTC
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Post by Andreas Kohlbach
War die Wirtschaft (verursacht durch die Russen) so weit herunter
gewirtschaftet, dass man sich nicht mal Gezeiten leisten konnte? ;-)
Bis 1989 gab's "drüben" nur noch Niedrigwasser, seit 1990 ist das
Niedrigwasser nach Deutschland gekommen, denn seither ist hier
Dauer-Ebbe :-( Außer es ist Bundestagswahlkampf, und die Verräterpartei
läßt das Wasser dort ein, wo sie noch am meisten Eindruck schinden kann.

Gruß, Ralf
Volker Borchert
2017-07-20 20:10:52 UTC
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Raw Message
Post by Ralf Kiefer
Außer es ist Bundestagswahlkampf, und die Verräterpartei
Welche?
--
"I'm a doctor, not a mechanic." Dr Leonard McCoy <***@ncc1701.starfleet.fed>
"I'm a mechanic, not a doctor." Volker Borchert <***@despammed.com>
Ralf Kiefer
2017-07-20 22:24:10 UTC
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Raw Message
Post by Volker Borchert
Post by Ralf Kiefer
Außer es ist Bundestagswahlkampf, und die Verräterpartei
Welche?


Gruß, Ralf
Chr. Maercker
2017-07-21 19:14:29 UTC
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Raw Message
Post by Andreas Kohlbach
War die Wirtschaft (verursacht durch die Russen) so weit herunter
gewirtschaftet, dass man sich nicht mal Gezeiten leisten konnte? ;-)
Doch, die DDR hat sogar selbst welche erzeugt :-)
https://de.wikipedia.org/wiki/Pumpspeicherwerk_Niederwartha
Dazu noch eins in Hohenwarte. Seltsamer Zufall mit den Namen ...
--
CU Chr. Maercker.
Rafael Deliano
2017-07-19 03:32:29 UTC
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Post by Ralf Kiefer
Analogrechner
/ Die DDR-Maschine macht es anders. Statt einer Grafik
/ druckt sie eine Zahlentabelle.

Würde eher vermuten mechanischer Digitalrechner.
Deshalb auch so langsam.

Der Vorgänger:
http://www.deutsches-museum.de/sammlungen/verkehr/schifffahrt/gezeitenrechner/

MfG JRD
Martin Klaiber
2017-07-19 07:36:43 UTC
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Post by Rafael Deliano
Post by Ralf Kiefer
Analogrechner
/ Die DDR-Maschine macht es anders. Statt einer Grafik
/ druckt sie eine Zahlentabelle.
Würde eher vermuten mechanischer Digitalrechner.
Die numerische Ausgabe könnte man auch mit einem mechanischen Zählwerk
(ähnlich der mechanischen Kilometerzähler) am Ende des Bandes erklären.
Post by Rafael Deliano
Deshalb auch so langsam.
Die Maschine berechnet die Tiden für ein Jahr, also 1460 Wellenzüge.
Dafür braucht sie min. fünf Stunden, macht max. knapp 300 Wellenzüge
pro Stunde oder knapp 5 Wellenzüge pro Minute.

Die "Berechnung" erfolgt, wenn ich es richtig verstanden habe so,
dass über die Räder, die sich ständig auf und ab bewegen, ein dünnes
Band läuft, dessen Bewegung am Ende auf einen Schreibstift (oder das
Zählwerk) übertragen wird. Hier ist eine Skizze des Prinzips:

<http://www.rechnerlexikon.de/artikel/Gezeitenrechner,_erster_deutsche>

Die Präzision der Berechnung hängt also davon ab, dass das Band nicht
den Kontakt zu den Rollen verliert. Das wird wohl die Geschwindigkeit
begrenzen, mit der sich die Rollen auf und ab bewegen dürfen.

Die DDR-Maschine mit 34 Rollen war laut Wikipedia ein kleinerer Nachbau
des zweiten deutschen Gezeitenrechners, der im DM in München steht:

<http://www.deutsches-museum.de/sammlungen/verkehr/schifffahrt/gezeitenrechner/>

Diese Maschine hat sogar 62 Rollen, die über ein 38m langes Band
verbunden sind. In dem Link steht, dass diese Maschine neben der
graphischen Ausgabe ebenfalls ein Druckwerk hatte.

Gruß, Martin
Rafael Deliano
2017-07-19 16:00:50 UTC
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Raw Message
Post by Martin Klaiber
Die numerische Ausgabe könnte man auch mit einem mechanischen Zählwerk
(ähnlich der mechanischen Kilometerzähler) am Ende des Bandes erklären.
Scheint tatsächlich ein mechanischer Analogrechner gewesen zu sein
dessen Ausgabe "modernisiert" wurde. Bei dem langsamen Ablauf war das
dann ja auch nichtmehr so schwierig.

MfG JRD
Ralf Kiefer
2017-07-19 08:39:34 UTC
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Raw Message
Post by Rafael Deliano
Post by Ralf Kiefer
Analogrechner
/ Die DDR-Maschine macht es anders. Statt einer Grafik
/ druckt sie eine Zahlentabelle.
Würde eher vermuten mechanischer Digitalrechner.
Deshalb auch so langsam.
Ich habe aus den beiden kurzen Texten heraus nicht ganz verstanden, wie
letztendlich die Summenbildung passiert, die letztendlich den
Wasserstand auf einer Skala über die Zeit aufträgt.

Aber meine Vorstellung ist die, daß die verschiedenen Einflüsse der
Anziehungskräfte wie das "Herumeiern" der Erde um die Sonne oder
Selbiges vom Mond um die Erde durch Geometrie im Kleinen abgebildet
wird. Die Getriebeüber- oder untersetzungen bilden die Frequenzen ab,
die nicht konzentrische Montage einer Rolle auf der Getriebeachse die
Amplitude. Mit einer Nockenform statt einer runden Rolle könnten
untypische Einflüsse einbezogen werden. Die relativen Drehwinkel der
Getriebe untereinander, möglicherweise auch die Abstände und Lage der
Getriebe zueinander bilden die Position des Ortes auf der Erde ab. Dann
könnte es ausreichen das beim Deutschen Museum erwähnte
"temperaturstabile Metallband" über diese Rollen zu legen, um am aus der
Maschine herausschauenden "Zipfel" des Bandes aus der Länge den
Wasserstand abzuleiten. Damit kann ein Meßschreiber recht einfach
betrieben werden.

Das wäre bis hier rein analog. Wenn am Ende Zahlenkolonnen statt einer
Grafik herauskommen, dann müßte dort ein AD-Wandler, in welcher Form
auch immer, dafür zuständig sein.

Ich halte das für einfacher einem "komplett Ahnungslosen" zu erklären
als den Analogrechner, den zumindestens ich in meiner Jugend manchmal
schätzen, manchmal hassen lernte: den Rechenschieber. Vielleicht sollte
ich das hoffentlich noch vorhandene Exemplar suchen, alleine schon wg.
ausstehender Updates und Antivirus ;-)

Gruß, Ralf
Martin Klaiber
2017-07-19 10:36:43 UTC
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Raw Message
Post by Ralf Kiefer
Ich habe aus den beiden kurzen Texten heraus nicht ganz verstanden,
wie letztendlich die Summenbildung passiert, die letztendlich den
Wasserstand auf einer Skala über die Zeit aufträgt.
Wenn Du Dir die Erklärung in diesem Link:

<http://www.rechnerlexikon.de/artikel/Gezeitenrechner,_erster_deutsche>

genauer, dieses Bild:

<Loading Image...>

anschaust, wird es vermutlich klarer. Der Hebel C dreht sich um seine
Achse. Am Hebel ist ein Stift befestigt, der in das T-förmige Stück
an der Rolle A eingreift. Die Drehbewegung wird in eine Hubbewegung
übersetzt, die Rolle A hebt und senkt sich. Damit "verlängert" oder
"verkürzt" sich auch das Seil und der Stift hebt und senkt sich
entsprechend.

Wenn sich nun die Rolle A' ebenfalls bewegt, überlagern sich die
beiden Bewegungen. Würde sich die Rolle A' gegensinnig zu Rolle A
bewegen (gleiche Amplitude, 180° Phasenverschiebung) würde sich der
Stift beispielsweise nicht bewegen.

Das Ganze funktioniert also so ähnlich wie eine Fouriersynthese. Die
resultierende Bewegung wird durch Überlagerung vieler Sinuswellen
erzeugt.
Post by Ralf Kiefer
Mit einer Nockenform statt einer runden Rolle könnten untypische
Einflüsse einbezogen werden.
Eine Nockenform braucht man nicht. Man kann durch Überlagerung vieler
Sinuswellen verschiedener Frequenz, Amplitude und Phase jede beliebige
Kurvenform erzeugen. Man braucht eben nur viele dieser Räder.
Post by Ralf Kiefer
Das wäre bis hier rein analog. Wenn am Ende Zahlenkolonnen statt einer
Grafik herauskommen, dann müßte dort ein AD-Wandler, in welcher Form
auch immer, dafür zuständig sein.
Dafür reicht doch ein einfaches mechanisches Zählwerk:

<Loading Image...>

Die Zahlen bildet man als Drucktypen aus, so wie bei den Druckwerken
von Tischrechnern, führt ein Farbband darüber und drückt das Papier
dagegen (habe auf die Schnelle kein Bild gefunden, diese Drucker
funktionieren aber alle ähnlich).

Gruß, Martin
Martin Klaiber
2017-07-19 11:56:10 UTC
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Raw Message
Post by Martin Klaiber
Das Ganze funktioniert also so ähnlich wie eine Fouriersynthese. Die
resultierende Bewegung wird durch Überlagerung vieler Sinuswellen
erzeugt.
Bei Youtube gibts auch ein Filmchen dazu:



Und offenbar gibt es auch einen Simulator für den Rechner:



Gruß, Martin
Ralf Kiefer
2017-07-19 22:22:13 UTC
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Raw Message
Schön :-) Jetzt ist mir klar, wie das funktioniert. Aber angesichts der
Art der bewegten Mechanik frage ich mich, wie genau die Rechenergebnisse
sein können. Dieses "Hin- und Hergeschiebe" der Achsen kann nicht
besonders reibungsarm und spielfrei funktionieren, IMHO. Irgendwo meine
ich eine Genauigkeit von 4 Dezimalstellen gelesen zu haben, eigentlich
unglaublich genau.

Gruß, Ralf
Loading...