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Gesucht / Wanted - Infos zu 68000er System by Martin Schmidt FH Hamburg 1993
(zu alt für eine Antwort)
Sebastian Barthel
2017-05-15 19:06:27 UTC
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Raw Message
Hallo allerseits, kennt evtl. hier jemand einen Martin Schmidt. Dieser
hat so um das Jahr 1993 an der FH Hamburg ein Minimalsystem für 68000er
aufgebaut. Dieses wurde nun von jemandem "gefunden", der gerne möchte, daß
es wieder benutzbar wird. Das Problem: Es wäre irgendwie hilfreich, wenn
eine Dokumentation oder zumindest ein paar Tips zum Betrieb gegeben
werden könnten, damit das schöne Teil nicht kaputt geht beim Rumspielen.
Genaueres findet sich bei
<http://forum.classic-computing.de/index.php?page=Thread&postID=115185>

Vielleicht was ja jemand was dazu oder kann Tips geben ( Links zu Dokus
oder dem Erbauer ) ?
Christian Zietz
2017-05-15 20:53:57 UTC
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Raw Message
Post by Sebastian Barthel
Hallo allerseits, kennt evtl. hier jemand einen Martin Schmidt. Dieser
hat so um das Jahr 1993 an der FH Hamburg ein Minimalsystem für 68000er
aufgebaut.
[...]
Vielleicht was ja jemand was dazu oder kann Tips geben ( Links zu Dokus
oder dem Erbauer ) ?
Vorab ich kenne weder das Board noch den Erbauer. Es gibt aber einen
Martin Schmidt mit Linkedin-Profil, der a) 1993 Elektrotechnik an der
(damaligen) FH Hamburg studiert hat und und b) in seinem ersten Job
Software für ein MC68000-System implementiert hat. Einfach mal
freundlich fragen?
<https://www.linkedin.com/in/martinschmidt1/>

Christian
--
Christian Zietz - CHZ-Soft - czietz (at) gmx.net
WWW: http://www.chzsoft.de/
PGP/GnuPG-Key-ID: 0x52CB97F66DA025CA / 0x6DA025CA
Ralf Kiefer
2017-05-15 21:55:04 UTC
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Raw Message
Post by Sebastian Barthel
Vielleicht was ja jemand was dazu oder kann Tips geben ( Links zu Dokus
oder dem Erbauer ) ?
Ich kenne ihn nicht, aber der Name steht im EPROM, sowie FH Hamburg und
1993. Der Name ist nicht gerade eindeutig ;-)

Es steht aber noch viel mehr drin: die gesamte Menüstruktur, also das,
was in diesem "Minimalsystem BIOS V1.0" möglich ist. Es sind ein paar
Hardware-Tests sowie die Download-Möglichkeit für Motorola S-Records.
Dieses Menüangebot sollte der sehen, der ein Terminal an die untere der
seriellen Schnittstellen anschließt, denn die hat V.28-Pegel (für eine
V.24-Schnittstelle). Die Belegung der SubD-9 sollte trivial
herauszufinden sein, weil der MAX232 in der Nähe ist. Es gibt lediglich
TxD und RxD. Die obere SubD-9-Schnittstelle erkennt man nicht. D.h. da
sollte man NICHT mit einem V.24-Kabel von einem PC kommend dran, weil
dort evtl. die Seriellsignale mit TTL-Pegel anliegen.

Die Gesamtheit der Fragen zu diesem System versuche ich hier mal
zusammenzufassen:
- I/O-Adressen vom 68681 (2* Seriell) und 68230 (GPIOs bzw.
Parallelport), schnellste Möglichkeit: Code disassemblieren.
- I/O-Adresse von der Siebensegmentanzeige (die läuft vermutlich über
den ULN2803 und das gelbe Widerstandsnetz). Schnellste Möglichkeit: Code
disassemblieren. Möglicherweise hängt die sogar am 68681 an den
nichtbenutzten Hardwarehandshake-Leitungen, denn die Leiterbahnen lassen
das vermuten, d.h. krasse GPIO-Nutzung :-) D.h. erstmal durchklingeln.
- Mechanik für den Resetvektor sowie die verschiedenen Adreßlagen von
RAM und EPROM. Da gibt's unterschiedliche Methoden. Schnellste
Möglichkeit: Code disassemblieren. Verschiedene gebräuchliche
Implementierungen: die ersten 4 Lesezyklen nach dem Reset blenden das
EPROM an Adresse $00.0000 ein, danach automatische Umschaltung auf
normale Adreßlage und Einblenden vom RAM ab $00.0000. Alternative
Methode: ein GPIO steuert die Adreßlagenumschaltung "mechanisch". So
macht's z.B. der Mac (128 bis Plus).
- Adreßlage vom RAM (256kB) nach dem Umschalten vom Resetvektor ist
$00.0000. Das ist eine Annahme mit hoher Wahrscheinlichkeit des
Eintreffens auch hier :-)
- Adreßlage vom EPROM (aktuell 16kB, vermutlich ausbaufähig auf 128kB)
nach dem Umschalten vom Resetvektor steht im Code. Schnellste
Möglichkeit: Code disassemblieren.
- Steckbrückenfunktionen stehen im Platinendruck
- 8fach DIP-Switch verschwendet vermutlich einen 8bit-Port vom 68230,
Herausfinden durch Anschauen der Leiterbahnen auf der Unterseite
- Steckerbelegung vom Pfostenfeldstecker X04: durchklingeln
offensichtlich zum 68230
- Spannungsversorgung: Leiterbahnen verfolgen! Möglicherweise reicht
über den Molex-Stecker ("5,25"-Diskettenlaufwerksstecker") eine +5VDC,
alternativ über den schwarzen, zweipoligen Stecker drunter eine
DC-Versorgung mit >6V, weil der Linearregler mit Kühlkörper verwendet
wird.

Offene Frage: welche Funktion hat der Schalter oder Taster SW01? Das
findet sich vermutlich im disassemblierten Code.

Fazit: mit diesem Rechner hat man 256kB RAM (evtl. ausbaufähig auf 1MB),
Code steckt im EPROM oder ist nachladbar per S-Record. Eine serielle
Schnittstelle vermutlich ohne Handshakes ist frei, allerdings ohne
V.28-Pegeltreiber. Einige ungepufferte GPIOs gibt's am Stecker X04. Die
Siebensegmentanzeige kann was. Das war's. Mehr kann das Gerät nicht.

Im Motorola-S-Record wird vermutlich der Record S0 benutzt, mit dem man
dem Binärinhalt einen Name übertragen kann. D.h. mehrere Code-Schnipsel
sind ladbar, unterscheidbar und separat ausführbar.

Die Erweiterungsfähigkeit über die VG64-Leiste hängt von der Belegung
ab. Sie ist ungepuffert, d.h. die verträgt nicht viel weitere Lasten.
Freie Adreßbereiche für Erweiterungskarten lassen sich durch
Code-Analyse und ein wenig Hardware-Suche finden. Die Adreßdekodierung
macht vermutlich der 74HCT138 sowie ggf. auch die GALs.

Braucht man Doku? :-)

Gruß, Ralf
Ralf Kiefer
2017-05-15 22:14:47 UTC
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Raw Message
Post by Ralf Kiefer
Die Belegung der SubD-9 sollte trivial
herauszufinden sein, weil der MAX232 in der Nähe ist. Es gibt lediglich
TxD und RxD. Die obere SubD-9-Schnittstelle erkennt man nicht.
Zurück :-( Der MAX232 kann zwei Leitungen nach draußen und zwei
ankommende versorgen, nicht nur jeweils eine. Also Leiterbahnen
verfolgen!
Post by Ralf Kiefer
- Spannungsversorgung: [...]
alternativ über den schwarzen, zweipoligen Stecker drunter eine
DC-Versorgung mit >6V, weil der Linearregler mit Kühlkörper verwendet
wird.
Da steht groß und deutlich ">6V AC" und ein Brückengleichrichter ist zu
erkennen.
Post by Ralf Kiefer
Offene Frage: welche Funktion hat der Schalter oder Taster SW01? Das
findet sich vermutlich im disassemblierten Code.
Beschriftung "Monitor", d.h. das könnte ein NMI sein, also Leiterbahnen
verfolgen, ob die Betätigung des Tasters bei den Interrupts endet. Im
Code sollte man das ebenso finden.

Gruß, Ralf
Sebastian Barthel
2017-05-16 21:16:39 UTC
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Raw Message
Post by Sebastian Barthel
<http://forum.classic-computing.de/index.php?page=Thread&postID=115185>
Vielleicht was ja jemand was dazu oder kann Tips geben ( Links zu Dokus
oder dem Erbauer ) ?
OK. Danke Euch beiden für die Tips !

Ich habe den ThreadEröffner mal informiert, daß hier was "kam". Ich hoffe
er guckt dann mal hier rein.

Ich bin immer wieder fasziniert, was man aus so einer Platine alles
rauslesen kann, wenn man bißchen guckt und (!) Ahnung hat. MAX232 hätte
ich auch noch deuten können und 5V als Aufdruck, aber bei der Frage, ob
man nun beide Spannungen anschließen müßte oder eine reicht, wüßte ich
dann schon nicht wirklich weiter. Bin gespannt, was dabei rauskommt und
ob mal ein Bericht nachgeliefert wird, wenn das Teil läuft. Das Menu kann
man sich ja mittlerweile dank der ausgelesenen EPROMs auch so angucken.
Alles andere bleibt wahrscheinlich dem jetzigen Eigentümer vorbehalten zu
entdecken.

VG, Sebastian
Ralf Kiefer
2017-05-16 22:25:52 UTC
Permalink
Raw Message
Post by Sebastian Barthel
Ich habe den ThreadEröffner mal informiert, daß hier was "kam". Ich hoffe
er guckt dann mal hier rein.
Mit einem Foto von der Lötseite der Platine gäbe es vermutlich mehr :-)
Post by Sebastian Barthel
Ich bin immer wieder fasziniert, was man aus so einer Platine alles
rauslesen kann
Das ist eigentlich ganz einfach. Datenblätter besorgen, d.h. die
Funktion der Chips sowie die Pinbelegung der Chips anschauen. Die
wichtigen Leitungen durchklingeln, also die, die nach außen gehen wie
die für die seriellen Schnittstellen. So findet man dort die GND, RxD
und TxD, ggf. noch irgendwelche Handshakes. Mit ein bißchen Erfahrung
kennt man die Funktion der Chips sowieso schon ohne zu suchen, genauso
den typischen Start eines 68k-Rechners.

Wenn er die Verbindungen zwischen den Steckbrücken oben zwischen CPU und
EPROMs verrät, d.h. die einen Verbindungen gehen zum EPROM, die anderen
zur CPU, dasselbe für die drei Steckbrücken bei den SRAMs, dann finden
wir ganz schnell raus, wie groß die EPROMs werden dürfen und ob man z.B.
2* 512kB-SRAMs einbauen kann, die heute preisgünstig sind.
Post by Sebastian Barthel
aber bei der Frage, ob man nun beide Spannungen anschließen müßte oder
eine reicht, wüßte ich dann schon nicht wirklich weiter.
Nur eine. Der dreibeinige Längsregler unter dem Kühlkörper mag
vermutlich nicht, wenn er an seinem Ausgang bereits eine Spannung
findet, _gegen_ deren Regelung er selbst regeln soll. BTW dieser Platine
dürften rund 400mA @5V genügen. Wenn ein 68HC000 statt dem 68000
genommen wird, spart man rund 200mA.
Post by Sebastian Barthel
Alles andere bleibt wahrscheinlich dem jetzigen Eigentümer vorbehalten zu
entdecken.
Das ist nicht viel :-( Der braucht jetzt einen 68k-Assembler und
-Linker, mit dem er Code produzieren kann, den er per S-Record ins RAM
schieben kann. Dann kann er sich überlegen, was er mit einer freien
V.24-Schnittstelle sowie 10-20 ungepufferten GPIOs machen will. Ein paar
der Beinchen kann man zum I2C-Bus-Betrieb nehmen, d.h. da kann man z.B.
billige Arduino- oder Raspi-"Shields" anschließen. Ich würde mit einem
Uhrenchip anfangen. LCDs der Größenordnung 2*16Zeichen bis hin zu
richtig großen, auch grafikfähigen kann man über einen Parallelport
anschließen, auch riesige LED-Matrix-Anzeigen. Mit Serial2VGA klappt's
sogar mit einem recht flexiblen Terminalbetrieb mit 800*600Pixel am
VGA-Stecker.

Der 68230 hat Timer drin, d.h. damit hat man alles, um ein kleines
Eigenbaubetriebssystem zu schreiben, wenn man will.

Ich bastle mir aus so was z.B. einen Eprommer.

Gruß, Ralf

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